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So weit ist die Schweiz mit dem Impfen

Wie hoch sind die Impfquoten in den Kantonen und weltweit? Wie lange dauert es noch, bis alle geschützt sind? Wann treffen die nächsten Dosen von den Herstellern ein? Die Übersicht.

Yannick Wiget, Mathias Lutz, Patrick Vögeli, Marc Brupbacher
Aktualisiert am 5. März 2021

Die Corona-Massenimpfung in der Schweiz kommt nur langsam voran. Zwar haben mit Biontech/Pfizer und Moderna zwei Hersteller die Zulassung für ihr Vakzin erhalten. Geliefert haben sie dem Bund aber erst 1,3 Millionen Dosen. Und von diesen wurden bis jetzt zwei Drittel verabreicht.

882'184
Impfdosen
wurden in der Schweiz bereits verabreicht.

Die erhaltenen Dosen reichen theoretisch für gut 650’000 Personen. Denn von beiden Vakzinen braucht es zwei Injektionen für eine Immunisierung. Damit kann die Schweiz lediglich 9,2 Prozent der erwachsenen Bevölkerung abdecken. Unsere Übersicht zeigt, wie weit die Impfaktion fortgeschritten ist:

Welcher Anteil der Bevölkerung wurde schon geimpft?

Gemäss Zahlen des Bundesamtes für Gesundheit (BAG) wurden in der Schweiz (ohne Liechtenstein) bis zum 5. März 882’184 Dosen gegen das Coronavirus verabreicht. Gut 282’000 Personen und damit 3,3 Prozent der Bevölkerung haben bisher eine Dosis erhalten. Knapp 300’000 Menschen in der Schweiz respektive 3,5 Prozent der Bevölkerung sind doppelt geimpft.

Anteil geimpfter Personen der Schweizer Bevölkerung
vollständig: 3,5%
einfach: 3,3%
ungeimpft: 93,2%
Quelle: BAG

Es ist aber gar nicht das Ziel des Bundes, die ganze Bevölkerung zu impfen, sondern nur so viele Erwachsene wie möglich. Insgesamt gibt es rund 7,1 Millionen Erwachsene in der Schweiz. Von diesen sind bislang 4 Prozent einfach und 4,2 Prozent doppelt und damit vollständig geimpft.

Anteil geimpfter Personen aller Schweizer Erwachsenen
vollständig: 4,2%
einfach: 4%
ungeimpft: 91,8%
Quelle: BAG

Weil in einer ersten Phase nicht genügend Dosen für alle verfügbar sind, musste der Bund eine Reihenfolge bestimmen. Als besonders gefährdet gelten Menschen über 65 Jahre und solche mit Vorerkrankungen. Innerhalb dieser Risikogruppe gibt es eine weitere Priorisierung. Gemäss der Schweizer Impfstrategie wird in dieser Reihenfolge geimpft:

  1. Personen ab 75 Jahren und solche mit chronischen Krankheiten mit höchstem Risiko (unabhängig vom Alter), Bewohner und Personal in Alters- und Pflegeheimen
  2. Personen zwischen 65 bis 74 Jahren und solche unter 65 Jahren mit chronischen Krankheiten
  3. Gesundheitspersonal mit Patientenkontakt, Betreuungspersonal von besonders gefährdeten Personen
  4. Enge Kontakte (Haushaltsmitglieder, betreuende Angehörige) von besonders gefährdeten Personen
  5. Personen in Gemeinschaftseinrichtungen mit erhöhtem Infektions- und Ausbruchsrisiko (z.B. Behindertenheime)

Erst nach diesen priorisierten Gruppen sollen die Vakzine dann allen anderen Erwachsenen zur Verfügung stehen, die sich impfen lassen möchten. Bisher sind vor allem Personen aus der ersten Gruppe berücksichtigt worden, wie Zahlen aus einigen Kantonen zeigen. In Zug und Appenzell Innerrhoden ist aber immerhin schon ein Drittel der über 70-Jährigen vollständig geimpft, in Uri und Genf ein Viertel.

Schwangere, Kinder und Jugendliche gehören nicht zu den Zielgruppen der Impfstrategie, da für sie noch keine ausreichenden Studiendaten zur Wirkung der verwendeten Vakzine vorliegen. Der Impfstoff von Biontech ist theoretisch ab 16 Jahren zugelassen, derjenige von Moderna ab 18 Jahren.

Wie hoch ist die Impfquote in den Kantonen?

Das BAG liefert zweimal pro Woche eine Übersicht zur Lage. Die Zahlen zeigen, dass es grosse Unterschiede im Tempo gibt: So hat Nidwalden pro 100 Einwohner schon fast 15 Dosen verabreicht, Zürich nur gut halb so viele.

Für die Abweichungen gibt es verschiedene Gründe: Erstens scheinen Kantone mit kleinerer Bevölkerung wirklich schneller voranzukommen. Zweitens werden unterschiedliche Strategien verfolgt: Ein paar Kantone verabreichen die verfügbaren Dosen so vielen Personen wie möglich, damit der Anteil einfach Geimpfter schnell steigt. Andere teilen sich die Dosen so ein, dass möglichst viele Menschen gleich doppelt und damit vollständig geimpft sind.

Die Impfstoffe werden in einer Mehrfachdosis-Durchstechflasche ausgeliefert. Pro Flasche von Biontech sind 5 Impfungen vorgesehen, bei Moderna 10. Es ist laut der Arzneimittelbehörde Swiss­medic aber auch möglich, bei sorgfältiger Handhabung 6 beziehungsweise 11 Dosen daraus zu entnehmen. Einige Kantone machen davon Gebrauch und verimpfen dann mehr, als sie eigentlich erhalten haben.

Bei der Verteilung der Dosen richtet sich der Bund nach der Zahl der besonders gefährdeten Personen. Kantone, die einen höheren Anteil an über 65-Jährigen und Personen mit chronischen Krankheiten aufweisen, erhalten also mehr Dosen. Zur Sicherstellung der Zweitimpfung haben Kantone aber auch schon Dosen ausgetauscht, was die Statistik ein wenig verzerrt.

Wie schneidet die Schweiz im internationalen Vergleich ab?

Die Schweiz hat bis jetzt 10,3 Dosen pro 100 Einwohner verimpft. Im internationalen Vergleich steht sie damit gut da. Noch besser sieht es aus, wenn man die Länder in der Tabelle nach dem Anteil der vollständig Geimpften sortiert. Dann liegen nur Israel, USA, Serbien und Singapur vor der Schweiz. Allerdings sind die Unterschiede zwischen den Ländern teils klein. Lediglich die Impf-Turbos auf den vordersten Plätzen sind deutlich weiter als der Rest.

Mit Abstand am schnellsten ist Israel unterwegs, das schon 99 Dosen pro 100 Einwohner verabreicht hat – fast zehn Mal so viel wie die Schweiz. Über 40 Prozent der Bevölkerung wurden sogar schon vollständig geimpft.

Wie viel Impfstoff steht überhaupt zur Verfügung?

Der Bund hat mit fünf Herstellern Verträge für 32,8 Millionen Impfstoffdosen abgeschlossen. Weil in der Regel zwei Dosen pro Person nötig sind, reichen die Bestellungen für 16,4 Millionen Menschen. Wie gesagt sollen nur die 7,1 Millionen Erwachsenen in der Schweiz geimpft werden. Es wurden also mehr als genügend Vakzine bestellt.

Ein Problem sind aber Verzögerungen. Von den bisherigen Lieferungen sind einige nicht fristgerecht erfolgt oder kleiner ausgefallen als angekündigt. Zugelassene Impfstoffe werden von den Herstellern nicht auf einmal, sondern nach Verfügbarkeit und etappenweise in die Schweiz geliefert. Bisher hat der Bund insgesamt 1'307'400 Dosen von Biontech und Moderna erhalten, also erst 4 Prozent aller Bestellungen.

So viele der bestellten Dosen hat die Schweiz schon erhalten

Biontech/Pfizer (DE/US): 3 Mio. Dosen bestellt
erhalten: 22,6%
ausstehend: 77,4%
Quelle: BAG
Moderna (US): 13,5 Mio. Dosen bestellt
erhalten: 4,7%
ausstehend: 95,3%
Quelle: BAG
Astra-Zeneca (GB/SE): 5,3 Mio. Dosen bestellt
ausstehend: 100%
Quelle: BAG
Novavax (US): 6 Mio. Dosen bestellt
ausstehend: 100%
Quelle: BAG
Curevac (DE): 5 Mio. Dosen bestellt
ausstehend: 100%
Quelle: BAG

Die Vakzine der Hersteller Astra-Zeneca, Novavax und Curevac haben noch keine Zulassung erhalten. Zumindest von den beiden Letzteren dürften ab Mai ebenfalls Dosen kommen, wie der Lieferplan des Bundes zeigt (mehr dazu weiter unten).

Mit einem weiteren Hersteller, Johnson & Johnson, ist das BAG derzeit noch am verhandeln. Zusätzlich hat sich die Schweiz 3 Millionen Impfdosen über die Impfallianz Covax gesichert, die unter der Führung der Weltgesundheitsorganisation (WHO) für eine faire globale Verteilung sorgen will. Hier rechnet das BAG jedoch nicht mit einer baldigen Lieferung.

Wie viele wollen sich überhaupt impfen lassen?

Die Menge des Impfstoffs ist das eine, das andere ist die Bereitschaft der Bevölkerung, sich impfen zu lassen. Eine Umfrage der Universität Zürich zeigt, dass sich aktuell 63 Prozent der Einwohner in der Schweiz «wahrscheinlich» oder «sehr wahrscheinlich» immunisieren lassen wollen (inklusive den bereits Geimpften). 19 Prozent schliessen eine Impfung eher beziehungsweise sicher aus. Der Rest, gut 18 Prozent der Bevölkerung, ist noch unentschlossen.

Die Verteilung der drei Gruppen blieb nach Anfang der Messung im September 2020 relativ lange konstant. Seit die Arzneimittelbehörde Swiss­medic Ende Dezember (Woche 52) den Impfstoff der Firma Biontech zugelassen hat, ist der Anteil der Impfwilligen aber gestiegen. Damit so viele Menschen mitmachen wie möglich, fährt der Bund eine gross angelegte Kampagne. Ein Informationsportal des BAG gibt Auskunft über Fragen, die sich rund um die Impfung ergeben. Zudem gibt es eine nationale Hotline (058 377 88 92).

Wie lange geht es, bis alle (Freiwilligen) geimpft sind?

Das wird noch Monate dauern und ist abhängig von mehreren Faktoren: Erstens von der Menge der verfügbaren Dosen, zweitens von der Umsetzung in den Kantonen und drittens von der Bereitschaft der Bevölkerung mitzumachen. Das ursprüngliche Ziel des Bundes war es, bis zum Frühling die Risikopersonen und bis zum Sommer alle Freiwilligen zu impfen.

Gemäss dem Impfstoff-Lieferplan könnte das aufgehen. Die beiden Hersteller Biontech und Moderna werden bis Ende April zusammen gut 3,5 Millionen Dosen in die Schweiz liefern – was bei doppelter Impfung für drei Viertel der über 65-Jährigen und chronisch Kranken reicht. Der Bund geht von einer hohen Impfbereitschaft von 75 Prozent aus. Damit wären bis Ende April alle Freiwilligen der Risikogruppe abgedeckt.

Voraussichtliche Lieferungen der Impfstoffe

Ab Mai soll der Rest der Bevölkerung zum Zug kommen. Dann werden grössere Mengen geliefert, auch von Curevac und Novavax. Nicht berücksichtigt wird in der Planung das Vakzin von Astra-Zeneca, dessen Zulassung sich schon lange hinzieht. Der Bund überlegt sich gar, die bestellten Dosen des britisch-schwedischen Herstellers weiterzuverkaufen.

Laufen die anderen Lieferungen nach Plan, kommen von Mai bis Juli trotzdem mehr als 8 Millionen Dosen, genug für weitere 4 Millionen Menschen. Abzüglich der Risikogruppe gibt es in der Schweiz zwar 4,7 Millionen Erwachsene. Doch bei einer Impfbereitschaft von 75 Prozent sind es nur noch 3,5 Millionen. Bis Ende Juli sollten also genügend Dosen für alle verfügbar sein – unklar ist natürlich, wie schnell die Kantone dann diese Menge verimpfen können.

Anteil der geimpften Impfwilligen
vollständig: 5,7%
einfach: 5,3%
ungeimpft: 89%
Quelle: BAG

Wenn man annimmt, dass sich auch alle Personen impfen lassen, die laut Umfrage derzeit noch unentschlossen sind, kommt man wirklich auf 75 Prozent. Das entspricht gut 5,3 Millionen Menschen in der Schweiz. Von dieser Anzahl sind bis jetzt 5,3 Prozent einfach und 5,7 Prozent doppelt und damit vollständig geimpft worden. Das heisst: Jeder neunte Impfwillige hat immerhin schon mindestens eine Dosis bekommen.

Worauf wir uns aber bereits einstellen können, sind mögliche Auffrischungsimpfungen ab Herbst oder ab dem nächsten Jahr. Der Bund geht davon aus, dass wie bei der Grippe auch gegen Covid eine jährliche Impfung nötig sein wird, um gegen mutierte Varianten immun zu sein.

Wie viele Menschen müssen sich für eine Herdenimmunität impfen lassen?

Das ist noch nicht klar. Bis jetzt gehen Expertinnen und Experten davon aus, dass sich 60 bis 70 Prozent der Bevölkerung impfen lassen müssten, um eine Corona-Herdenimmunität zu erreichen. Das bedeutet, dass sich das Virus nicht mehr weiterverbreiten kann, wenn die Mehrzahl der Menschen, auf die es trifft, immun ist.

Dieser Wert basiert auf verschiedenen Annahmen. Eine davon ist, dass eine Impfung nicht nur die geimpfte Person vor einer Covid-Erkrankung schützt, sondern zusätzlich auch die Übertragung des Virus verhindert. Letzteres ist aber noch nicht klar. Zudem gehen die Fachleute davon aus, dass eine mit Sars-CoV-2 infizierte Person nicht mehr als drei weitere ansteckt.

Sollte sich das Virus allerdings so verändern, dass es ansteckender wird, müssten sich wohl noch mehr Menschen impfen lassen, um diese Varianten in Schach zu halten. Das könnte bereits bei den mutierten Coronaviren der Fall sein, die in Grossbritannien (B1.1.7) und Südafrika (501.V2) entdeckt wurden und sich auch schon in der Schweiz festgesetzt haben.